Synonyme: Scheie Klassifikation, Spaeth Klassifikation, Van Herick Klassifikation, ShafferKlassifikation, Kammerwinkelbeurteilung, Kammerwinkelgrading
Die Beurteilung des Kammerwinkels ist ein wesentlicher Bestandteil der Augenheilkunde, insbesondere bei der Diagnose und Behandlung des Glaukoms. Verschiedene Klassifikationssysteme wurden entwickelt, um den Kammerwinkel zu bewerten und zu dokumentieren. Im folgenden soll eine Übersicht zu den bekanntesten Beurteilungsmethoden gegeben werden.
Die Van Herick-Methode ist eine schnelle und einfache Technik zur Abschätzung der Kammerwinkelweite mithilfe der Spaltlampe. Dabei wird die Tiefe der vorderen mit der Dicke der Hornhautdicke in der Peripherie verglichen:
Grad 4: Tiefe der vorderen Kammer = Hornhautdicke (weit offen)
Grad 3: Tiefe der vorderen Kammer = 1/4 bis 1/2 der Hornhautdicke (mäßig offen)
Grad 2: Tiefe der vorderen Kammer = 1/4 der Hornhautdicke (mäßig eng)
Grad 1: Tiefe der vorderen Kammer < 1/4 der Hornhautdicke (sehr eng)
Grad 0: Keine sichtbare vordere Kammer (geschlossen)

Das Shaffer-System ist eines der am weitesten verbreiteten Systeme zur Beurteilung des Kammerwinkels. Es basiert auf der Abschätzung des Winkels zwischen der Iris und der Trabekelmaschenwerkebene anhand der während der Gonioskopie sichtbaren Strukturen. Eine genaue Bestimmung des Winkels ist jedoch nicht möglich. Die Grade reichen von 4 bis 0, wobei Grade 3 und 4 als weit offen und Grade 0 als geschlossen gelten:
Grad 4: 30-45°, weit offen, keine Gefahr eines Verschlusses
Grad 3: 20-30°, moderat offen, geringe Gefahr eines Verschlusses
Grad 2: 10-20°, mäßig eng, Gefahr eines Verschlusses
Grad 1: 0-10°, extrem eng, hoher Verschlussrisiko
Grad 0: geschlossen, Kammerwinkelverschlusssyndrom vorhanden

Das Spaeth-System ist eine detailliertere Methode zur Beurteilung des Kammerwinkels. Es berücksichtigt deutlich mehr Aspekte der Vorderkammer:
Ort der Irisinsertion:
A: Anterior zu Schwalbes Linie
B: Hinter Schwalbes Linie
C: Auf Höhe des Skleralsporns
D: Tief, auf Höhe des vorderen Ziliarkörpers
E: Sehr tief, zeigt den Ziliarkörper deutlich
Kammerwinkel
Die Öffnung des Kammerwinkels wird geschätzt und in Grad angegeben.
0° - 45°
Winkelweite:
Schätzung des geometrischen Winkels zwischen der peripheren Iris und der inneren Wand des Kammerwinkels, in Grad.
Konfiguration der peripheren Iris:
f: Flach
b: Bogenförmig (nach vorne)
c: Konkav (nach hinten)
p: Plateau
Trabekuläre Pigmentierung:
Grad 1 bis 4, wobei Grad 1 minimal und Grad 4 maximal pigmentiert ist.
0: no pigment
1+: minimal
2+: mild
3+: moderate
4+: intense

Die Scheie-Methode ist eines der ältesten Systeme zur Beurteilung des Kammerwinkels. Diese Methode verwendet römische Ziffern, um die Sichtbarkeit der Kammerwinkelstrukturen während der Gonioskopie zu bewerten. Die Grade reichen von I bis IV, wobei größere Zahlen eine fortschreitende Verengung des Kammerwinkels anzeigen.
Grad I: Alle Strukturen des Kammerwinkels (Schwalbe-Linie, Trabekelmaschenwerk, Skleralsporn, Ziliarkörperband) sind sichtbar.
Grad II: Der Ziliarkörper ist nicht mehr sichtbar.
Grad III: Der Skleralsporn ist nicht mehr sichtbar.
Grad IV: Nur die Schwalbe-Linie ist sichtbar; der Kammerwinkel ist nahezu vollständig geschlossen.









