Bei einer Bergmeister-Papille handelt es sich um eine angeborene Veränderung des Sehnervenkopfes. Genauer gesagt, um die Reste der fibrotischen Hülle, welche die fetale Vaskularisation während der embryologischen Entwicklung umgibt.
Die erste Beschreibung geht auf den österreichischen Augenarzt Dr. Otto Bergmeister im Jahr 1877 zurück.
Eine Bergmeister-Papille verursacht normalerweise keine Beschwerden und wird meist zufällig im Rahmen der Kontrolle durch einen Augenarzt festgestellt.
Im Rahmen der Entwicklung des Fötus wird der vordere Teil des Auges durch die sogenannte A. hyaloidea durchblutet. Diese verläuft vom Sehnervenkopf nach anterior zum hintern Teil der Linse, wo sie sich mit der Tunica vasculosa lentis verbindet.
Normalerweise kommt es etwa in der 30. Schwangerschaftswoche zu einer Resorption der A. hyaloidea und zur Bildung Cloquet Kanals.
Bei einer unvollständigen Resorption während der Entwicklung kann zu einer persistierenden fetalen Vaskularisation kommen.
Beispiele persistierender fetaler Vaskularisation:
Mittendorf-Fleck
Bergmeister-Papille
Hyperplastischer primärer Glaskörper
Bei Frühgeborenen kommt es etwas gehäuft zum Auftreten von Bergmeister-Papillen.
Bergmeister-Papillen können im Rahmen der Untersuchung durch den Augenarzt bei der Funduskopie festgestellt werden und können sowohl durch Fundusfotos als auch durch optische Kohärenztomografie (OCT) dokumentiert werden. Eine Bergmeister Papille kann sowohl einseitig als auch beidseitig bestehen.
Die Bergmeisterpapille kann mit einem präretinalen Gefäß, auch als "präpapilläres Gefäßloop" oder "preparpilary vascular loop", assoziiert sein. Besteht eine Vaskularisation, so ist diese auch in der Fluoreszenzangiographie zu erkennen. Bei fehlender Vaskularisation zeigt sich oft ein unauffälliger Befund in der Fluoreszenzangiographie.
Es ist wichtig die Bergmeisterpapille von einer fibrosierten Neovaskularisation der Papille (neovascularization of disc, NVD) zu unterscheiden. Letztere ist in der Regel mit einer Ischämie oder Entzündung verbunden und kann durch eine Fluoreszenzangiographie unterschieden werden.
Generell ist keine Behandlung notwendig.
Bei den meisten Patienten kommt es zu keinerlei Beschwerden. Gelegentlich kann es zu einer vitreoretinalen Adhäsion oder zu einer makulären Retinoschisis kommen.